25-Jahre Reiner Wahnsinn: Diese Kunst geht unter die Haut

Jubiläum: Das Tattoo-Studio von Reiner und Kiki Fleischer ist seit 25 Jahren eine Institution in Detmold. Vor allem Kunden aus der Rockabilly- und US-Szene fühlen sich hier zuhause.

Yvonne Glandien

Urgestein: Reiner Fleischer ist aus der Detmolder Tattoo-Szene nicht mehr wegzudenken. Seit 25 Jahren schingt er in der Residenzstadt die Nadel. (© Vera Gerstendorf-Welle(LZ))

Urgestein: Reiner Fleischer ist aus der Detmolder Tattoo-Szene nicht mehr wegzudenken. Seit 25 Jahren schingt er in der Residenzstadt die Nadel. (© Vera Gerstendorf-Welle(LZ))

Detmold. Sensenmänner und der Schriftzug „Route 66″ zieren die Wände, Motorräder parken vor der Tür. Das Tattoo-Studio von Reiner und Kiki Fleischer bedient allein von der Optik her das Bild, das viele von einem solchen Laden im Kopf haben. Mittlerweile besteht er seit 25 Jahren.

Neben Bikern und harten Jungs sind es auch viele Frauen, die sich im „Reiner Wahnsinn“ die unterschiedlichsten Motive stechen lassen. Jedes ist individuell, keines wird zweimal gestochen. Das gilt heute und das galt auch schon in den Anfängen. „Damals waren wir die ersten und einzigen in Detmold“, erzählt Fleischer über sein erstes Studio in der Richthofenstraße.

Später hatten das Ehepaar Läden in der Lemgoer Straße und in der Meierstraße. „Die Innenstadtlage war zwar gut für die Laufkundschaft, dafür haben wir jetzt aber vor allem Parkplätze. Wer nur einmal kurz reingucken will, um etwas abzuholen, muss keinen Strafzettel befürchten“, so der Inhaber.

Das heutige Studio an der Lageschen Straße zeigt sich mit einer ganz eigenen Atmosphäre. Am Fenster hängt ein Wappen mit der Aufschrift „Route 239″ und spielt damit sowohl auf die Position des Studios als auch das amerikanische Vorbild, die Route 66, an. Im Vorraum fällt der Blick auf eine Jukebox sowie eine alte Tanksäule. Die Rockabilly- und Ami-Szene, die sich unter anderem um amerikanische Oldtimer dreht, mache einen Großteil ihrer Kundschaft aus, berichtet Fleischer.

Ihm sei es wichtig, dass sich seine Kunden bei ihm wohlfühlen und seinem eigenen Geschmack entspreche es auch. Er selbst fährt einen 1955er Chevrolet Bel Air und ist zudem Mitglied in einem Motorradclub.

Zur Jubiläumsfeier am vergangenen Samstag seien Leute aufgetaucht, die ihr erstes Tattoo vor über 20 Jahren von Fleischer haben stechen lassen – und brachten Fotos von den Werken mit. „Im Nachhinein fragt man sich dann schon, was man da damals verzapft hat“, erzählt der Tätowierer schmunzelnd. „Es war eben eine andere Zeit und andere Motive waren modern, das würde heute keiner mehr machen“.

Seine ersten Tätowiermaschinen habe er selbst gebaut, die Farben solange zurecht gemischt, bis der passende Ton getroffen wurde. Das war ab Mitte der 1980er, als er noch kein eigenes Studio hatte. Heute sei das alles einfacher. Wer jetzt mit dem Tätowieren anfängt, habe viel bessere Möglichkeiten. Dennoch rät Fleischer davon ab, sich selbstständig zu machen. „Es steckt viel mehr dahinter, als man denkt. Eigentlich arbeitet man rund um die Uhr“, sagt er.

Nach gesundheitlichen Problemen im vergangenen Jahr habe er beschlossen, weniger zu arbeiten. Es könne nun zwar vier bis fünf Monate dauern, bis man einen Termin bekomme, dafür sei dann aber auch Zeit sich kennenzulernen und in Ruhe einen Kaffee zusammen zu trinken.

Gelegentlich gibt es Motive, die Kiki und Reiner ablehnen. „Wer zum Beispiel ein Hakenkreuz tätowiert haben möchte, wird weggeschickt“, erzählt die Tatöwiererin. Die meisten der oft auch skurrilen Wünsche erfüllt das Paar aber schon. „Wenn wir es nicht machen, gehen die Kunden halt zum nächsten. Solange bis einer nachgibt. Dann machen wir es lieber gleich ordentlich“.

25 Jahre Reiner Wahnsinn – Danke!


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